IT-Security

Windows 10 ist abgelaufen: was Ihr KMU jetzt entscheiden muss

Von Nico Birrer14.7.20265 Min. Lesezeit

Am Rechner ändert sich nichts — und genau das ist das Problem

Seit dem 14. Oktober 2025 bekommt Windows 10 keine Sicherheitsupdates mehr. Die Geräte in Ihrem Büro haben davon nichts gemerkt. Sie starten, sie drucken, Outlook läuft wie immer. Das ist die Falle: Ein PC ohne Updates sieht monatelang aus wie am ersten Tag — bis er es plötzlich nicht mehr tut.

Wir sehen in Schaffhauser Betrieben gerade viele Rechner, die seit dem Herbst 2025 ohne einen einzigen Patch laufen. Meist, weil niemand aktiv entschieden hat weiterzumachen. Es ist einfach so geblieben. Diese Woche ist ein guter Moment, das nachzuholen, denn im Oktober 2026 läuft die nächste Frist ab.

Was «kein Support» in der Praxis bedeutet

Microsoft schliesst weiterhin Sicherheitslücken — aber nur in Windows 11. Dieselbe Lücke steckt oft auch in Windows 10, dort bleibt sie einfach offen. Angreifer lesen die Update-Listen von Microsoft mit und wissen damit auf den Tag genau, wo sich ein ungepatchtes Windows-10-Gerät knacken lässt.

Für Sie heisst das: Jeder Monat ohne Updates vergrössert die Angriffsfläche. Nicht mit einem Knall, sondern schleichend. Und im Ernstfall zahlen Sie nicht mit einem kaputten PC, sondern mit verschlüsselten Kundendaten und mehreren Tagen Stillstand.

Dazu kommt ein zweites, leiseres Problem. Software-Hersteller stellen ihren Support für Windows 10 nach und nach ein. Ihre Branchenlösung, das Kassensystem, der Import fürs Treuhandbüro — irgendwann steht dort «nur noch für Windows 11 unterstützt». Ab dann bestimmt nicht mehr Microsoft Ihren Zeitplan, sondern Ihr wichtigstes Programm. Und das kommt oft schneller, als einem lieb ist.

Ihre drei Wege

Es gibt genau drei Möglichkeiten. Welche passt, hängt vor allem vom Alter Ihrer Geräte ab.

Weg 1: Auf Windows 11 aktualisieren. Ist Ihr PC nicht älter als etwa Baujahr 2019, läuft Windows 11 mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf. Die Aktualisierung selbst ist gratis. Der Haken: Windows 11 verlangt einen Sicherheitschip namens TPM 2.0. Ältere Geräte haben den nicht, und dann lässt sich das Update nicht sauber erzwingen. Ob Ihr Rechner tauglich ist, zeigt die kostenlose Microsoft-App «PC-Integritätsprüfung» in zwei Minuten.

Weg 2: Gerät ersetzen. Ist der PC vier oder fünf Jahre alt, lohnt sich das Update meist nicht mehr. Ein solides Business-Notebook kostet zwischen 900 und 1400 Franken und bringt Windows 11 fertig eingerichtet mit. Rechnen Sie ehrlich: Ein Techniker, der einen alten Rechner stundenlang auf Windows 11 zwingt, ist am Ende manchmal teurer als ein neues Gerät, das ab Werk einfach funktioniert.

Weg 3: Mit ESU überbrücken. Sie wollen oder können noch nicht wechseln, etwa weil eine Spezialsoftware erst 2027 nachzieht. Dann kaufen Sie sich Zeit mit dem Programm «Extended Security Updates», kurz ESU. Es liefert weiter Sicherheitsupdates, sonst nichts. Keine neuen Funktionen, kein Telefonsupport, keine Wunder.

Was ESU kostet — und warum es teurer wird als gedacht

Für Firmen kostet ESU im ersten Jahr rund 61 US-Dollar pro Gerät. Das klingt überschaubar. Der Preis verdoppelt sich aber jedes Jahr: rund 120 im zweiten, rund 240 im dritten. Länger als drei Jahre gibt es das Programm nicht.

Und es ist kumulativ. Steigen Sie erst im zweiten Jahr ein, zahlen Sie das erste Jahr trotzdem mit. Wer zehn Geräte drei Jahre lang überbrückt, landet schnell bei über 4000 Franken — für Rechner, die danach ohnehin ersetzt werden müssen. So gesehen ist ESU keine günstige Lösung, sondern ein bezahlter Aufschub.

Privat sieht die Sache anders aus. Für Windows 10 Home gibt es eine Gratis-Brücke bis zum 13. Oktober 2026, wenn Sie das Gerät bei Microsoft dafür anmelden. Für Firmengeräte unter normaler Lizenzierung gilt das nicht: Dort ist ESU vom ersten Tag an kostenpflichtig. Verlassen Sie sich also nicht auf «das bleibt schon irgendwie gratis» — für den geschäftlichen Einsatz stimmt das nicht.

Unser Rat: Betrachten Sie ESU als Überbrückung für einzelne, gut begründete Fälle. Nicht als Sparprogramm für die ganze Firma. Wer drei Jahre lang zahlt, hätte das Geld besser gleich in neue Geräte gesteckt.

Was wir Ihnen empfehlen

Machen Sie zuerst eine Liste. Welches Gerät ist wie alt, wofür wird es gebraucht, und läuft Windows 11 darauf? Diese eine Tabelle beantwortet neun von zehn Fragen von allein.

Die tauglichen Geräte aktualisieren Sie danach — am besten gestaffelt, nicht alle am selben Tag, sonst steht bei einem Problem gleich das halbe Büro still. Die alten ersetzen Sie über die nächsten Monate verteilt, budgetiert statt in Panik. Und die wenigen Sonderfälle mit hängender Spezialsoftware überbrücken Sie gezielt mit ESU, bis der Hersteller nachzieht — mit einem festen Enddatum im Kalender.

Das Schlimmste ist, gar nichts zu tun und zu hoffen. Genau diese vergessenen Geräte holen sich die Angreifer zuerst.

Checkliste: Windows 10 im Griff

  • Alle Windows-10-Geräte auflisten: Modell, Kaufjahr, Aufgabe
  • Pro Gerät mit der «PC-Integritätsprüfung» testen, ob Windows 11 läuft
  • Taugliche Geräte gestaffelt auf Windows 11 aktualisieren — vorher ein Backup machen
  • Geräte ab Baujahr 2019 und älter für den Ersatz einplanen und budgetieren
  • Prüfen, welche Ihrer Programme zwingend Windows 11 verlangen und ab wann
  • Nur echte Sonderfälle mit ESU überbrücken, mit fixem Enddatum
  • Home-Geräte im Homeoffice: Gratis-ESU bis Oktober 2026 anmelden
  • Unsicher? Lassen Sie die Liste einmal von aussen prüfen, bevor Sie Geld ausgeben

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