IT-Security

Firmendomain ausgelaufen: wenn Fremde Ihre alte Webadresse kapern

Von Nico Birrer28. September 20265 Min. Lesezeit

Die alte Adresse lebt weiter, nur nicht mehr für Sie

Eine Firma zieht um, im Netz. Neuer Name, neue Website, neue Domain. Die alte Adresse braucht niemand mehr, also lässt man sie beim nächsten Ablauf einfach fallen. Ein paar Monate später ruft ein Kunde an: Auf «Ihrer» Website werde jetzt ein zweifelhaftes Nahrungsergänzungsmittel verkauft, und ob das seine Richtigkeit habe.

Genau dieses Muster hat das BACS im August 2026 beschrieben. Betrüger kaufen gezielt abgelaufene Domains auf, die früher einmal seriös waren, ehemalige Arztpraxen und Apotheken zum Beispiel, und bauen darauf ihre Fake-Shops. Das Perfide daran: Der gute Ruf der Adresse arbeitet jetzt für die Täter.

Warum eine alte Domain gefährlicher ist als eine neue

Eine frisch registrierte Betrugsseite hat kein Vertrauen und keine Geschichte. Google kennt sie nicht, Kunden kennen sie nicht, Spamfilter sind misstrauisch. Eine Domain, die Jahre lang für ein echtes Geschäft stand, bringt all das mit.

Sie taucht noch in alten Google-Ergebnissen auf. Es gibt Links von anderen Seiten, aus Branchenverzeichnissen, aus Zeitungsartikeln. Vielleicht steht die Adresse noch auf gedruckten Unterlagen oder in gespeicherten Lesezeichen. Für eine Suchmaschine sieht das aus wie eine etablierte, glaubwürdige Seite, und genau dieses Vertrauen übernehmen die neuen Besitzer mit.

Dazu kommt der Faktor E-Mail. Läuft eine Domain aus, unter der einmal Firmenpost lief, kann der neue Inhaber theoretisch auch Mails unter Ihren alten Adressen empfangen und verschicken. Wer noch Rechnungen oder Passwort-Rücksetzungen an die alte Adresse geschickt bekommt, liefert die unter Umständen einem Fremden aus.

Wie so etwas im Alltag passiert

Kaum jemand lässt eine Domain absichtlich sterben. Es passiert nebenbei. Ein paar typische Wege:

Der Firmenname ändert sich, etwa nach einer Übernahme oder einer Neuausrichtung. Die neue Domain ist bestellt, die alte gerät in Vergessenheit. Die Verlängerungsrechnung landet in einem Postfach, das niemand mehr liest, oder auf einer Kreditkarte, die längst ersetzt wurde.

Oder die Zahlung scheitert schlicht. Die hinterlegte Karte ist abgelaufen, die Erinnerung geht an eine ehemalige Mitarbeiterin, deren Konto man deaktiviert hat. Die automatische Verlängerung schlägt fehl, und nach der Schonfrist ist die Domain wieder frei.

Manchmal ist es auch eine Zweitdomain, die man sich damals «zur Sicherheit» geholt hat. Die Tippfehler-Variante, die alte Schreibweise, die Domain für eine Aktion, die längst vorbei ist. Solche Adressen fallen als Erste durchs Raster, obwohl auch sie auf die eigene Firma zeigen.

Was das für Ihre Firma bedeutet

Der Schaden trifft nicht die Täter, sondern Ihren Namen. Kunden, die die alte Adresse eintippen, landen auf einer Betrugsseite und verbinden das Erlebnis mit Ihnen. Im schlimmsten Fall geben sie dort Geld oder Kartendaten ein, weil sie der Adresse vertraut haben.

Rückgängig machen lässt sich das kaum. Eine einmal freigegebene und neu registrierte Domain bekommen Sie nicht auf Zuruf zurück. Sie können den Missbrauch melden, das dauert und führt nicht immer zum Ziel. Deutlich einfacher ist es, die Domain gar nicht erst aus der Hand zu geben.

Der Überblick fehlt fast überall

Das eigentliche Problem ist selten böser Wille, sondern fehlender Überblick. Viele KMU wissen nicht genau, welche Domains überhaupt auf die Firma laufen, wo sie registriert sind und wann sie ablaufen. Die eine wurde vor Jahren beim Webdesigner bestellt, die andere läuft über ein privates Konto des Chefs, die dritte hat der frühere IT-Betreuer verwaltet.

Führen Sie deshalb eine einfache Liste. Welche Domains gehören uns, bei welchem Anbieter liegen sie, wann laufen sie aus, und über welche Zahlung und welche Kontaktadresse werden sie verlängert. Diese Liste gehört an einen Ort, den mehr als eine Person kennt, nicht in ein einzelnes Postfach.

Automatische Verlängerung ist Pflicht, nicht Komfort

Der wirksamste Schutz ist die automatische Verlängerung, gekoppelt an ein Zahlungsmittel und eine Mailadresse, die auch in zwei Jahren noch existieren. Nutzen Sie dafür eine allgemeine Firmenadresse wie eine Domain-Sammeladresse, nicht das persönliche Konto einer einzelnen Person. Sonst reisst genau diese Kette, sobald jemand die Firma verlässt.

Prüfen Sie die Ablaufdaten trotzdem einmal im Jahr von Hand. Automatismen versagen leise, und eine fehlgeschlagene Kartenzahlung merkt oft niemand, bis es zu spät ist.

Eine alte Domain gibt man nicht einfach auf

Wenn Sie eine Domain wirklich nicht mehr brauchen, lassen Sie sie nicht ins Leere laufen. Behalten Sie sie lieber bewusst weiter, ein paar Franken im Jahr sind günstiger als ein Fake-Shop unter Ihrem alten Namen. Richten Sie eine Weiterleitung auf die neue Adresse ein, dann finden auch alte Links und Lesezeichen noch ihr Ziel.

Bevor Sie eine Domain tatsächlich aufgeben, räumen Sie sie ab. Löschen Sie Mail-Postfächer und Weiterleitungen, prüfen Sie, ob irgendwo noch Logins oder Dienste an diese Adresse gekoppelt sind, und entfernen Sie DNS-Einträge, die ins Leere zeigen. So kann niemand die Reste später gegen Sie verwenden.

Checkliste: Domains im Griff behalten

  • Liste aller Firmen-Domains führen: Anbieter, Ablaufdatum, Zahlungsmittel, Kontaktadresse
  • Automatische Verlängerung aktivieren und an ein gültiges Zahlungsmittel koppeln
  • Als Kontakt eine Firmen-Sammeladresse hinterlegen, nie das Konto einer einzelnen Person
  • Ablaufdaten einmal im Jahr von Hand kontrollieren, nicht blind auf den Automatismus vertrauen
  • Nicht mehr genutzte Domains bewusst behalten und auf die aktuelle Website weiterleiten
  • Vor dem Aufgeben einer Domain Postfächer, Weiterleitungen, Logins und DNS-Einträge abräumen
  • Bei Namenswechsel oder Website-Neubau alte Domains nicht vergessen, sondern aktiv mitplanen

Wenn Sie nicht sicher sind, welche Domains überhaupt auf Ihre Firma laufen, helfen wir Ihnen beim Aufräumen. Einmal sauber erfasst, kostet der Überblick danach fast nichts mehr.

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