IT-Security

KI-Bilder erkennen: gefälschte Fotos in Bewerbung und Rechnung

Von Nico Birrer10.8.20265 Min. Lesezeit

Ein Foto, das nie aufgenommen wurde

Eine Bewerbung kommt rein. Sauberer Lebenslauf, freundliches Foto, alles passt. Nur gibt es diese Person nicht. Das Bild stammt aus einem KI-Werkzeug, der Name ist erfunden, und dahinter steht jemand, der sich einen Fuss in Ihre Firma oder eine Auszahlung verschaffen will.

Solche Fälle nehmen zu. Das BACS, die Bundesstelle für Cybersicherheit, hat im Sommer 2026 mehrfach vor KI-generierten Bildern gewarnt: bei gefälschten Stellenangeboten und Bewerbungen, bei Fake-Investment-Seiten und bei gefälschten Post-Quittungen. Das Muster ist immer dasselbe. Ein Bild soll echt wirken und dadurch Vertrauen erzeugen, das dann ausgenutzt wird.

Warum die alten Tricks nicht mehr greifen

Bisher gab es ein paar bequeme Faustregeln. Man schaute auf die Hände, zählte die Finger, suchte nach schiefen Knöpfen oder verwaschenen Ohren. Bei den ersten KI-Bildern funktionierte das gut, weil die Programme genau daran scheiterten.

Das ist vorbei. Die Bildgeneratoren von 2026 malen saubere Hände, korrekte Knöpfe und glaubwürdige Gesichter. Wer heute nur auf diese Details schaut, wird eine gute Fälschung nicht mehr entlarven. Verlassen Sie sich also nicht darauf, dass ein Bild schon irgendwie komisch aussehen wird. Die meisten sehen inzwischen völlig normal aus.

Das klingt entmutigend, ist es aber nicht. Denn was die Modelle immer noch schlecht können, ist die Logik hinter einem Bild. Ein Foto entsteht in einer echten Situation, mit Licht aus einer bestimmten Richtung, mit einem Hintergrund, der zum Vordergrund passt. Genau dort machen KI-Bilder Fehler, die man mit etwas Ruhe sehen kann.

Worauf Sie heute achten

Schauen Sie zuerst auf das Licht. Von wo kommt es? Fällt der Schatten der Person in dieselbe Richtung wie die Schatten der Gegenstände daneben? Bei Fälschungen passt das oft nicht zusammen. Eine Seite des Gesichts ist hell, der Schatten am Boden zeigt aber woandershin.

Dann der Hintergrund. KI-Bilder sind vorne oft gestochen scharf und hinten seltsam. Türrahmen, die leicht abknicken. Schrift auf einem Schild, die aus der Nähe zu Buchstabensalat wird. Ein Fenster, hinter dem nichts Sinnvolles zu sehen ist. Zoomen Sie in die Ecken, nicht nur ins Gesicht.

Achten Sie auf die Textur der Haut. Viele KI-Porträts wirken zu glatt, fast wie aus einem Werbekatalog, ohne Poren, ohne kleine Unregelmässigkeiten. Ein echtes Handyfoto im Büro sieht nie so perfekt aus.

Und prüfen Sie, ob das ganze Bild zusammenpasst. Trägt die Person Winterkleidung, während im Hintergrund die Sonne scheint? Steht auf der angeblichen Post-Quittung ein Datum, das zum Rest nicht passt? Kleine Widersprüche verraten mehr als jeder einzelne Finger.

Wo KMU im Alltag darüber stolpern

Am häufigsten trifft es drei Situationen.

Bewerbungen sind die erste. Ein erfundenes Profil mit KI-Foto, ein Lebenslauf, der zu glatt klingt, und schon läuft ein Bewerbungsgespräch für eine Stelle mit Zugang zu Systemen oder Konten. Manche wollen an Zugangsdaten, andere an Testgeräte oder an eine Anstellung im Homeoffice, von der aus sie später Schaden anrichten.

Die zweite sind Rechnungen und Investment-Mails. Hier taucht ein Bild auf, das Seriosität vortäuschen soll: ein Screenshot einer angeblichen Handelsplattform mit tollen Gewinnen, das Foto eines vermeintlichen Beraters, eine gefälschte Quittung als Beleg. Das Bild ist der Köder, der die Zahlen glaubwürdig machen soll.

Die dritte sind gefälschte Belege im Zahlungsverkehr. Jemand schickt eine KI-generierte Post-Quittung oder einen gefälschten Zahlungsnachweis und behauptet, eine Ware sei bezahlt oder verschickt. Die Buchhaltung sieht ein plausibles Bild und bucht oder liefert. Genau davor hat das BACS diesen Sommer gewarnt.

Der bessere Ansatz: den Weg prüfen, nicht nur das Bild

So nützlich die Blicke aufs Licht und den Hintergrund sind, verlassen Sie sich nicht allein darauf. Die Technik wird besser, und irgendwann sind auch diese Merkmale weg. Der zuverlässigere Schutz liegt woanders.

Prüfen Sie den Kanal, über den ein Bild kommt. Eine Bewerbung, die perfekt wirkt, aber nur aus einer anonymen Adresse eintrifft, verdient einen Rückruf und ein Gespräch per Video. Eine Rechnung mit neuem Bankkonto verdient einen Anruf auf die bekannte Nummer, nicht auf die im Mail. Ein Investment, das über Social Media oder eine Werbeanzeige zu Ihnen kommt und schnelle Gewinne verspricht, ist im Zweifel immer eine Falle.

Das Bild ist bloss ein Baustein einer Geschichte. Wenn die Geschichte drumherum nicht standhält, spielt es keine Rolle, wie echt das Foto aussieht. Ein kurzer Rückruf oder eine zweite Unterschrift kostet ein paar Minuten und verhindert den ganzen Ärger.

Wenn Sie unsicher sind, ob ein Bild echt ist, machen Sie den einfachsten Test überhaupt: Suchen Sie das Bild mit der Bildersuche im Netz. Taucht dasselbe Gesicht unter zehn verschiedenen Namen auf, ist die Sache klar. Und sprechen Sie mit uns, bevor Sie unter Zeitdruck eine Zahlung freigeben. Genau dafür sind wir da.

Checkliste: KI-Bilder im Firmenalltag

  • Schatten und Licht prüfen: zeigen alle Schatten in dieselbe Richtung?
  • In die Bildecken und den Hintergrund zoomen, nicht nur aufs Gesicht schauen
  • Auf verwaschene Schrift, abknickende Kanten und zu glatte Haut achten
  • Fragen, ob das ganze Bild zusammenpasst (Jahreszeit, Datum, Umgebung)
  • Bei Bewerbungen: Videogespräch verlangen, Angaben unabhängig prüfen
  • Bei Rechnungen mit neuem Konto: auf der bekannten Nummer zurückrufen
  • Investment-Versprechen über Werbung oder Social Media grundsätzlich misstrauen
  • Verdächtiges Foto mit der Bildersuche gegenprüfen
  • Immer den ganzen Kanal hinter einem Bild bewerten: Absender, Weg, Kontext
  • Im Zweifel nachfragen, bevor Sie zahlen oder Zugriff geben

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